Im
13. Jahrhundert entstand unweit des heutigen Platzes das Spital Heiliger
Georg. Es war der Namensgeber für das Georgentor in der Berliner Stadtmauer,
das anfangs Oderberger Tor hieß. Vor diesem sammelten sich die wichtigsten
aus dem Norden und Nordosten kommenden Straßen, beispielsweise aus Oderberg,
Prenzlau und Bernau aber auch die Straßen in die großen Hansestädte
an der Ostsee. Das Georgentor war im 16. Jahrhundert das wichtigste
Stadttor, die meisten Waren kamen durch dieses in die Stadt.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadtmauer
verstärkt. 1658 bis 1683 entstand ein Festungsring, mit deren Planungen
der Linzer Johann Gregor Memhardt beauftragt wurde.
Memhardts erste Tätigkeit war eine topographische
Bestandsaufnahme, wodurch der erste Plan der Residenzstadt entstand.
Die neue Festung enthielt 13 Bastionen, die durch Wälle miteinander
verbunden waren. Der Festung vorgelagert war ein bis zu 50 Meter breiter
Wassergraben.
Bei der Errichtung des Festungsringes wurden unter anderem einige Tore
geschlossen, beispielsweise das südöstlich gelegene Stralauer Tor. Im
Gebiet vor dem Georgentor wurden unter dem Großen Kurfürsten unter Verzicht
auf den Grundzins günstige Landstücke vergeben, so dass die Ansiedlungen
schnell heranwuchsen. |
| 1681 wurden Viehhandel und
Schweinemast innerhalb der Stadt verboten. Auf dem Platz vor dem Georgentor
entstand ein Viehmarkt, der dem Platz die Bezeichnung Ochsenmarkt oder
Ochsenplatz gab, auch ein Wochenmarkt etablierte sich. |
| So entwickelte sich um den Platz Ende des 17.
Jahrhunderts langsam eine Vorstadt – die Georgenvorstadt – die trotz
eines Bauverbotes 1691 weiter gedieh, so dass um 1700 schon mehr als
600 Häuser entstanden waren. |
| Anders als die Vorstädte im Südwesten Berlins
(Friedrichstadt, Dorotheenstadt), die planmäßig und streng geometrisch
angelegt wurden, wucherten die Vorstädte im Nordosten (neben der Georgenvorstadt
auch die Spandauer Vorstadt und die Stralauer Vorstadt) planlos. |
| Das Georgentor war zu diesem Zeitpunkt ein rechteckiges
Turmgebäude, neben dem sich noch einer der Türme der mittelalterlichen
Stadtmauer befand. Den Festungsgraben überspannte eine Zugbrücke. Geradeaus
führte über den Viehmarkt hinweg die Landstraße in Richtung Bernau,
zu deren Rechten die Georgenkapelle sowie ein 1672 von der Kurfürstin
Sophie Dorothea gestiftetes Hospital und ein Waisenhaus befanden. Neben
der Kapelle befand sich das mittelalterliche Pesthaus, das 1716 wegen
Baufälligkeit abgerissen wurde. Dahinter befanden sich der Schützenplatz
und ein Gasthof, der spätere „Stelzenkrug“. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts
lebten in dieser Gegend bereits 600 bis 700 Familien. Die Georgenkapelle
wurde zur Georgenkirche aufgewertet und bekam einen eigenen Prediger. |
Nachdem der preußische König Friedrich I. nach
seiner Krönung in Königsberg am 6. Mai 1701 durch das Georgentor in
Berlin einzog, wurde dieses nun Königstor genannt.
Der Platz wurde in offiziellen Dokumenten als
Königs Thor Platz
bezeichnet. Auch die Georgenvorstadt wurde nun Königsvorstadt (oder
kurz „Königsstadt“) genannt. 1734 entstand die Berliner Zollmauer, die
zunächst aus einem Palisadenzaun bestand und die ringförmig um die alte
Stadt entstandenen Vorstädte zusammenfasste. Dadurch verlor das alte
Tor an Bedeutung und wurde schließlich 1746 abgetragen. Ende des 18.
Jahrhunderts war die Königsvorstadt in ihrer Grundstruktur mit unregelmäßigen
Blöcken geschaffen, die durch die vom Tor in verschiedene Richtungen
weglaufenden Straßen bedingt war. Das Gebiet dominierten große Manufakturen
(Seide und Wolle) und militärische Einrichtungen, beispielsweise das
1799/1800 entstandene Exerzierhaus von David Gilly. Der südliche Teil
des späteren Alexanderplatzes war mit Bäumen vom Verkehr abgetrennt
und wurde als Paradeplatz genutzt, wohingegen die nördliche Hälfte weiterhin
Markt blieb. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts fand hier jedes Jahr im Juni
die bedeutendste Wollmesse Deutschlands statt. |
|
Zwischen 1752 und 1755
lebte Gotthold Ephraim Lessing in einem Haus am Alexanderplatz. 1771
entstand an der Stelle des alten Königstores eine neue Steinbrücke über
den Festungsgraben (die Königsbrücke),
an deren Seiten 1777 kolonnadengesäumte Läden errichtet wurden, die
von Carl von Gontard geplanten Königskolonnaden. 1783 bis 1784 entstanden
sieben dreigeschossige, von Georg Christian Unger errichtete Gebäude
um den Platz, unter anderem der berühmte
Gasthof zum Hirschen,
in dem Heinrich von Kleist in den letzten Tagen vor seinem Selbstmord
lebte und auch Karl Friedrich Schinkel einige Zeit Dauermieter war. |

Alexanderplatz 1796 |
| Auf dem Paradeplatz vor dem alten Königstor wurde
am 25. Oktober 1805 der russische Zar Alexander I. zu einem Besuch empfangen.
Anlässlich dieses Ereignisses erließ König Friedrich Wilhelm III. am
2. November eine Verfügung zur Umbenennung des Platzes in Alexanderplatz. |
| Im Südosten des Platzes entstand das Königstädter
Theater von Carl Theodor Ottmer, dessen Grundsteinlegung am 31. August
1823 und die Eröffnung am 4. August 1824 erfolgte. Die letzte Vorstellung
des Theaters war schon am 3. Juni 1851. Danach wurde Gebäude zunächst
als Wollmagazin, später als Mietshaus und bis zum Abriss 1932 als Gasthaus
Aschinger genutzt. |
| Im Südosten des Platzes entstand das Königstädter
Theater von Carl Theodor Ottmer, dessen Grundsteinlegung am 31. August
1823 und die Eröffnung am 4. August 1824 erfolgte. Die letzte Vorstellung
des Theaters war schon am 3. Juni 1851. Danach wurde Gebäude zunächst
als Wollmagazin, später als Mietshaus und bis zum Abriss 1932 als Gasthaus
Aschinger genutzt. |
| Wegen der Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt verkehrten
bereits 1847 viertelstündlich Pferdeomnibusse von hier zum Potsdamer
Platz. |
Während
der Märzrevolution 1848 kam es auch auf dem Alexanderplatz zu Straßenkämpfen
und Revolutionäre blockierten den Weg vom Platz in die Stadt mit Barrikaden.
Auch Theodor Fontane, der ganz in der Nähe in einer Apotheke arbeitete,
beteiligte sich am Aufbau dieser Barrikaden und beschrieb später, wie
er mit Material aus dem Königstädter Theater half, die Neue Königstraße
zu verbarrikadieren: Es ging über den Alexanderplatz weg auf das Königstädter
Theater zu, das alsbald wie im Sturm genommen wurde. Im 19. Jahrhundert
wuchs die gesamte Königsstadt weiter, wobei bereits am Anfang des Jahrhunderts
eine dreigeschossige Bebauung erreicht war und Mitte des Jahrhunderts
eine vierstöckige. Ende des Jahrhunderts waren die meisten Gebäude bereits
fünfgeschossig. Die großen Manufakturen und Militäreinrichtungen wichen
der Wohnbebauung und dem Handel. |
| Anfang der 1870er Jahre schüttete man den ehemaligen
Festungsgraben zu, um auf ihm die Berliner Stadtbahn zu errichten, deren
Eröffnung 1882 war. Mit ihr eröffnete der Stadtbahnhof Alexanderplatz.
1883 bis 1884 entstand das Grand Hotel, ein Neorenaissancebau mit 185
Zimmern und zum Platz hin mit Läden im Erdgeschoss. Von 1886 bis 1890
entstand außerdem das Polizeipräsidium, ein riesiger Backsteinbau, dessen
nördlicher Eckturm das Gebäude dominierte. Bis 1890 entstand auch das
Amtsgericht am Alexanderplatz. |
| 1886 errichtete man westlich der Stadtbahn eine
Zentralmarkthalle, woraufhin 1896 der Wochenmarkt auf dem Alexanderplatz
verboten wurde. Durch die freiwerdenden Flächen teilte sich der Platz
nun funktional. Während Ende des 19. Jahrhunderts der aufkommende Individualverkehr
und die ersten Pferdeomnibuslinien den nördlichen Teil dominierten,
war der südliche Teil (der ehemalige Paradeplatz) ruhiger, und der Gartendirektor
Hermann Mächtig gestaltete ihn 1889 gärtnerisch. Im Nordwesten des Platzes
wurde 1895 auf einer zweiten, kleineren Grünfläche die 7½ Meter hohe
kupferne Berolina-Statue von Emil Hundrieser aufgestellt. |
Anfang
des 20. Jahrhunderts erlebte der Alexanderplatz seine Blütezeit. 1901
gründete Ernst von Wolzogen in der ehemaligen Sezessionsbühne in der
Alexanderstraße 40 zunächst unter dem Namen „Buntes Brettl“ das erste
deutsche Kabarett, das Überbrettl. Geboten wurde nach den Ankündigungen
„Kabarett als gehobene Unterhaltung mit Kunstanspruch. Kaisertreu und
Marktorientiert steht das unkritische Amüsement im Vordergrund“.
Am Platz entstanden die legendären Warenhäuser von Tietz (1904–1911),
Wertheim (1910/1911) und Hahn (1911). Im Oktober 1905 eröffnete am Alexanderplatz,
geplant von den Architekten Wilhelm Albert Cremer und Richard Wolffenstein,
die bereits im Wettbewerb zum Bau des Reichstagsgebäudes einen zweiten
Preis errungen hatten, der erste Bauabschnitt des Warenhauses Tietz.
Es verstand sich als Volkswarenhaus für die Berliner, während sich das
Kaufhaus Wertheim am Leipziger Platz eher als Weltstadtwarenhaus für
die Welt definierte. Das Warenhaus Tietz erfuhr noch weitere Bauabschnitte
und hatte letztendlich 1911 eine überbaute Grundfläche von 7300 Quadratmetern
und zu dieser Zeit mit 250 Metern Länge die längste Kaufhausfassade
der Welt. Für den Bau des Wertheim-Kaufhauses, einer Filiale des Hauses
am Leipziger Platz, mussten 1910 die Königskolonnaden weichen, die seither
im Heinrich-von-Kleist-Park in Schöneberg stehen.
Im Oktober 1908 wurde in der Alexanderstraße 41 neben dem Bunten Brettl
das Lehrervereinshaus eingeweiht, das von Hans Toebelmann und Henry
Groß entworfen wurde. Bauherr war der Berliner Lehrerverein, dem das
Geschäftshaus mit Konditorei und Restaurant im Erdgeschoss als Mieteinnahmequelle
für seinen Verein diente. Im hinteren Bereich des Grundstückes bis zur
Kurzen Straße hatte der Verein sein Verwaltungsgebäude und einen Hoteltrakt
für Vereinsmitglieder sowie ein Saalgebäude für Veranstaltungen. Unter
anderem fanden hier am 2. Februar 1919 die Trauerfeier für Karl Liebknecht
und Rosa Luxemburg sowie am 4. Dezember 1920 der Vereinigungsparteitag
von KPD und USPD statt.
Die pädagogische Bibliothek des Lehrervereins sollte als Deutsche Lehrerbücherei
zwei Weltkriege überstehen und ist heute in die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche
Forschung eingegliedert. |
| Berolina |
| Begünstigt wurde das Aufleben des Platzes durch
seine Funktion als Verkehrsknotenpunkt. Neben den drei unterirdischen
U-Bahnlinien (ab 1913 beziehungsweise 1930) hielt hier die Fern- und
S-Bahn auf dem Viadukt der Stadtbahn, Omnibusse der ABOAG sowie ab 1877
Pferde- und seit 1898 auch elektrische Straßenbahnen, die von hier aus
sternförmig in alle Himmelsrichtungen fuhren. So entstanden fünf Verkehrsebenen.
Der U-Bahnhof wurde von Alfred Grenander entworfen und war in der Farbfolge
der U-Bahnhöfe, die am Leipziger Platz mit Grün begann, im dunklen Rot
gehalten. In den „Goldenen Zwanzigern“ war der Platz neben dem Potsdamer
Platz der Inbegriff der lebhaft pulsierenden Weltstadt Berlin. Viele
der ihn begrenzenden Gebäude und Bahnbrücken trugen große Leuchtreklametafeln,
die die Nacht zum Tag machten. Sein Gesicht änderte sich von Tag zu
Tag. |
| Unter anderem warb die Berliner Zigarettenfirma
Manoli mit einem Ring aus Neonröhren, der ständig um eine schwarze Kugel
kreiste. Das sprichwörtlich durchgedrehte „Berliner Tempo“ jener Jahre
wurde daraufhin mit „total manoli“ charakterisiert (siehe Berlinisches
Wörterbuch). Der Schriftsteller Kurt Tucholsky schrieb ein Gedicht,
und der Komponist Rudolf Nelson machte daraus die legendäre Revue Total
manoli mit der Tänzerin Lucie Berber. Dem Schriftsteller Alfred Döblin
diente der Platz namensgebend für seinen Roman Berlin Alexanderplatz
und Walter Ruttmann drehte seinen Film Berlin: Die Sinfonie der Großstadt
1927 auch am Alexanderplatz. Der Platz „platzte“ bald aus allen Nähten. |
| Im Zusammenhang mit dem drohenden Kollaps des
Individualverkehrs am Alexanderplatz schlug der damalige Baustadtrat
Martin Wagner Ende der 1920er-Jahre eine Umgestaltung des Platzes vor.
Der Platz sollte dem Verkehr angepasst und die Gebäude architektonisch
einheitlich sein. Wagner entwarf einen Plan, in dem er in der Mitte
des Platzes einen Kreisverkehr mit einem Durchmesser von 100 Metern
vorsah, der nur von der Straßenbahn gekreuzt werden sollte. Der Entwurf
sah zwölf Meter breite Straßen mit zehn Meter breiten Bürgersteigen
vor. Um dieses Rondell herum sollten siebengeschossige Gebäude entstehen. |
| Die Neue Königstraße und die Landsberger Straße,
die von Nordosten in den Platz mündeten, sollten dabei von Gebäuden
überbaut werden, die Durchfahrten sollten zwei Etagen hoch sein. Damit
wollte Wagner erreichen, dass der Platz architektonisch geschlossen
war. Für das Warenhaus Tietz im Nordwesten des Platzes war eine neue
Fassade vorgesehen. |
| Nach den Vorgaben Wagners wurde ein beschränkter
Architekturwettbewerb gestartet, an dem fünf Berliner und ein Kölner
Architektenbüro teilnehmen durften. Neben dem Siegerentwurf des Büros
„Hans und Wassili Luckhardt mit Alfons Anker“ nahmen auch Peter Behrens,
Ludwig Mies van der Rohe, Paul Mebes, Johann Emil Schaudt und Heinrich
Müller-Erkelenz an diesem Wettbewerb teil. Die Entscheidung fiel am
5. Februar 1929. Als einziger Architekt hielt sich Mies van der Rohe
nicht an die Vorgaben und belegte den letzten Platz des Wettbewerbs. |
| Da sich nicht genügend private Investoren zur
Umsetzung des Planes von Luckhardt fanden, kam der Berliner Magistrat
auf Behrens' Entwurf zurück, obwohl er im Architekturwettbewerb nur
den zweiten Platz belegt hatte. Behrens sah einen ovalen Kreisverkehr
vor, um den hufeisenförmig Gebäude errichtet werden sollten. |
| Bis Anfang der 1930er-Jahre wurden zwei der von
Peter Behrens geplanten Gebäude parallel zur Stadtbahn errichtet: das
Alexanderhaus und das Berolinahaus. Hierzu mussten Aschinger und das
ehemalige Königstädtische Theater sowie die Häuserzeile an der Stadtbahn
abgebrochen werden. Der neue Kreisverkehr nahm sechs Straßen auf. Die
Hauptachsen hatten einen Durchmesser von 97 bzw. 63 Metern. Die 7,5
Meter hohe Berolina-Figur, die 1925 dem Bau des neuen Kreuzungsbahnhofs
der Untergrundbahn weichen musste, wurde 1934 vor dem Alexanderhaus
neu aufgestellt. |
Auf
dem Luftbild von 1930 sieht man den Rohbau des Berolinahauses, noch
auszuführende Erdarbeiten am Alexanderhaus, unten links die Bahnhofshalle,
rechts unten Wertheim, ganz links Warenhaus Tietz, dazwischen Aschinger,
rechts angeschnitten das Polizeipräsidium an der Alexanderstraße.
Doch auch Behrens' Entwurf konnte nicht komplett umgesetzt werden, da
der Großteil der Flächen privaten Eigentümern gehörte und die Ankaufsumme
für die Grundstücke bei gewaltigen 20 Mio. RM lag. Das amerikanische
Konsortium, das das Alexander- und Berolinahaus bauen ließ, hatte nach
der Weltwirtschaftskrise kein Geld für weitere Bauten, und auch andere
Investoren fanden sich nicht. Auch in der Zeit des Nationalsozialismus
gab es keine Neubauten am Alexanderplatz. Die Planunterlagen für die
nördlich begrenzenden Behrensbauten fand man vor einigen Jahren in einem
verschlossenen Raum des Bunkers am U-Bahnhof Gesundbrunnen. |
| Zu einer der größten Luftschutzanlagen der Stadt
zählte im Zweiten Weltkrieg der Tiefbunker unter dem Alexanderplatz.
Er wurde von 1941 bis 1943 im Auftrag der Deutschen Reichsbahn von der
Firma Philipp Holzmann erbaut. |
Die
Kriegshandlungen erreichten den Alexanderplatz Anfang April 1945. Die
Berolinastatue war schon 1944 entfernt und vermutlich zu Rüstungszwecken
eingeschmolzen worden. Im April 1945 begannen die Alliierten auch die
Stadtquartiere um den Alexanderplatz zu bombardieren. Die Kämpfe der
letzten Kriegstage zerstörten erhebliche Teile der Königs- und Georgenvorstadt,
sowie viele der Gebäude rund um den Alexanderplatz.
Die Wiederaufbauplanung des Berliner Innenstadtgebietes nach dem verlorenen
Krieg stand im Zeichen eines Neubeginns unter der Prämisse, dem schnell
anwachsenden Kraftfahrzeugverkehr auf den innerstädtischen Durchgangsstraßen
nach den Flächenbombardements nun mehr Raum zu geben. Diese Idee einer
verkehrsgerechten Stadt ging bereits auf Überlegungen und Reißbrettplanungen
Hilbersheimers und Le Corbusiers aus den 1930er-Jahren zurück. |
| Der zerstörte Bahnhof Alexanderplatz
1945 |
Hans
Scharouns „Kollektivplan“ von 1946 sah daher großflächige Abrisse vor,
die Platz für breite Straßenschneisen der geplanten Bandstadt entlang
des Landwehrkanals schaffen sollten. Die Teilung Berlins und die sich
verschärfende Wohnungsfrage verhinderte die konsequente Umsetzung dieses
radikalen Planansatzes. Grundlage für den Aufbau im Ostteil Berlins
wurden die „Sechzehn Grundsätze des Städtebaus“ vom 27. Juli 1950 und
die daraus folgenden „Grundsätze für die Neugestaltung der Berliner
Innenstadt“ vom 23. August 1950. Am 6. September 1950 wurde vom Ost-Berliner
Magistrat das sogenannte „Aufbaugesetz“ verabschiedet. Die „Grundsätze
für die Neugestaltung der Berliner Innenstadt“ sahen eine 90 Meter breite
Straße vom Osten über den Alexanderplatz zur Straße Unter den Linden
vor. Die Umsetzung begann 1951 in der Stalinallee. Die später weiter
westlich errichteten Bauten erfolgten dann in Plattenbauweise. Zwischen
1961 und 1964 wurde an der Alexanderstraße 41 auf dem Grundstück des
im Krieg zerstörten Lehrervereinshauses das Haus des Lehrers mit der
angrenzenden Kongresshalle errichtet. |
| Alexanderplatz
während des Wiederaufbaus 1950 |
| Nach der Wende entsprach
die sozialistische Stadtplanung und Architektur der 1970er-Jahre nicht
mehr den aktuellen Vorstellungen einer innerstädtischen Platzsituation.
Investoren verlangten Planungssicherheit für ihre Bauvorhaben. Aus den
ersten Diskussionen mit der interessierten Öffentlichkeit entstand schnell
das Ziel, den Alexanderplatz wieder an das Straßenbahnnetz anzuschließen
und besser an die umliegenden Stadtquartiere anzubinden. 1993 fand daher
ein städtebaulicher Ideenwettbewerb für Architekten zur Umgestaltung
des Platzes und seiner näheren Umgebung statt. In der ersten Phase gab
es 16 Einsendungen, von denen fünf im April 1993 für die zweite Phase
des Wettbewerbs ausgewählt wurden. Diese fünf Architekten mussten ihre
Pläne an detaillierte Anforderungen anpassen. Beispielsweise war nun
die Rückkehr der Straßenbahn auf den Alex geplant, und die Umsetzung
der Pläne in mehreren Stufen musste ermöglicht werden. Der am 17. September
1993 ermittelte Gewinner war der Berliner Architekt Hans Kollhoff, der,
an den Behrens-Entwurf angelehnt, eine hufeisenförmige sieben- bis achtgeschossige
Bebauung mit 150 Meter hohen Türmen mit 42 Geschossen im Außenbereich
vorsah. |
| Das Alexanderhaus und das Berolinahaus – beide
unter Denkmalschutz – bilden dabei die südwestliche Begrenzung. Den
zweiten Platz belegte der Entwurf von Daniel Libeskind und Bernd Faskel.
Den dritten Platz belegt das Architekturbüro Kny & Weber, das sich stark
an der Hufeisenform Wagners orientierte. Der Entwurf von Kollhoff wurde
als Grundlage für Bebauungspläne am 7. Juni 1994 vom Berliner Senat
beschlossen. |
| Im Jahr 1995 schloss zunächst die Landesbank Berlin
die Sanierung des Alexanderhauses ab. 1998 fuhr die erste Straßenbahn
wieder über den Alexanderplatz, und 1999 wurden mit den Grundstückseigentümern
und den Investoren die städtebaulichen Verträge für die Umsetzung der
Pläne von Kollhoff und Timmermann unterzeichnet. Am 2. April 2000 schrieb
der Senat endgültig den Bebauungsplan für den Alexanderplatz fest. Die
Kaufverträge zwischen Investoren und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
unterzeichneten beide Seiten am 23. Mai 2002, womit die Grundlagen für
den Umbau geschaffen worden waren. |
2004 begann der Umbau
des Centrum Warenhauses durch den Berliner Architekturprofessor Josef
Paul Kleihues und dessen Sohn Jan Kleihues. Seit der Wende wird es als
Galeria Kaufhof betrieben. Das Gebäude wurde um rund 25 Meter zum Platz
hin vergrößert.
Von 2005 bis 2006 wurde das Berolinahaus saniert, das seither eine Filiale
der Bekleidungskette C&A beherbergt.
2005 wurde mit den Arbeiten zur Verlängerung der Straßenbahnlinie von
der Prenzlauer Allee zum Alexanderplatz (Alex II) begonnen. Diese Strecke
sollte nach ersten Planungen bereits im Jahr 2000 eröffnet werden und
wurde mehrfach zurückgestellt. Nach weiteren Verzögerungen durch einen
Baustopp zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nahm die BVG am 30. Mai
2007 den Betrieb auf dieser Strecke auf. Seit Mitte der 1990er-Jahre
lief die denkmalgerechte Sanierung des größten Berliner U-Bahnhofs,
die im Oktober 2008 abgeschlossen wurde. |
| Im Februar 2006 begann die Neugestaltung der begehbaren
Platzfläche. Die Umbaupläne stammen vom Architekturbüro Gerkan, Marg
und Partner und der Hamburger Firma WES-Landschaftsarchitekten, die
aus einem Gestaltungswettbewerb hervorgingen, den das Land Berlin 2004
ausgeschrieben hatte. Die Pflasterarbeiten wurden aber bereits einige
Monate nach Baubeginn für die Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006
unterbrochen und alle Baugruben provisorisch asphaltiert. Die Bauarbeiten
wurden Ende 2007 abgeschlossen. |
Der Platz erhielt eine
Pflasterung aus gelbem Granit, am Rand um die Gebäude mit grauem Mosaikpflaster
eingefasst. Um den Brunnen der Völkerfreundschaft entstanden Distanzstufen
wegen des Platzgefälles, um die U-Bahn-Eingänge Bänke. Die Wall AG hat
in diesem Zusammenhang das aus den 1920er-Jahren stammende unterirdische
Toilettenhäuschen für rund 750.000 Euro modernisiert. Die Gesamtkosten
der Platzumgestaltung sollen sich auf 8,7 Mio. Euro belaufen. Am 12.
September 2007 eröffnete das Einkaufszentrum Alexa, das sich in unmittelbarer
Nähe des Platzes an der Stelle des ehemaligen Berliner Polizeipräsidiums
befindet. Mit 56.200 m² Verkaufsfläche gehört es zu den größten Einkaufszentren
Berlins.
Im Mai 2007 begann die texanische Grundstücksentwicklungsgesellschaft
Hines mit dem Bau eines sechsgeschossigen Handelshauses mit dem Namen
die mitte. Das Gebäude wurde auf einem 3900 m² großen Grundstück errichtet,
das nach den Kollhoff-Plänen den Platz nach Osten abschließt und somit
die Platzfläche verkleinert. Das Geschäftshaus wurde am 25. März 2009
eröffnet. |
| Seit Anfang 2007 errichtet das Bauunternehmen
Wöhr + Bauer eine Tiefgarage mit drei Ebenen unter der Alexanderstraße
zwischen dem Hotelhochhaus und dem Haus der Elektroindustrie, die etwa
25 Mio. Euro kosten und Platz für 650 Autos bieten wird. |
| Gleichzeitig will der Senat die Straße von derzeit
knapp 100 Metern Breite auf 58 Meter verschmälern und damit auf drei
Fahrstreifen je Richtung reduzieren. Die Kosten hierfür werden auf 9,7
Mio. Euro veranschlagt. Das Bauprojekt soll 2011 fertiggestellt werden. |