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Pinsel Heinrich

Pinsel Heinrich

Themenübersicht

Heinrich Zille - Berliner Original

 
 
 

Pinsel Heinrich (Heinrich Zille)

Berlinstadtservice - Das Hauptstadtportal Berlin

Pinsel Heinrich (Heinrich Zille) Heinrich Rudolf Zille wurde 10. Januar 1858 in Radeburg geboren. Er war ein deutscher Grafiker, Lithograf, Maler, Zeichner und Fotograf.

In seiner Kunst bevorzugte der Pinsel Heinrich genannte Zille Themen aus dem Berliner Volksleben, das er ebenso lokalpatriotisch wie sozialkritisch darstellte.

Zille gehört zu den bekanntesten Berlinern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und zählt neben Claire Waldoff, mit der er befreundet war, zu den Berliner Originalen. In der deutschen Hauptstadt ist er in zahlreichen Ehrungen verewigt.

Am 9. August 1929 verstarb Heinrich Zille in Berlin.

Pinsel Heinrich ist Heinrich ZilleBerliner Original

   
  Zilles Kindheit und Jugend
  Zilles Lehr- und Berufsjahre
  Zille beim Militär
  Zille und Familie
  Zille sein Milljöh
  Zille als Fotograf
  Zille als Künstler
  Zille im Alter und Tod
   
  Zille Museum
   
 
 

Heinrich Zille

Berliner Original

 

Zilles Kindheit und Jugend

Heinrich Zille wurde in der sächsischen Kleinstadt Radeburg (bei Dresden) in einem Hintergebäude des heutigen Hauses Markt 11 geboren, an dem eine Gedenktafel an ihn erinnert. Er war Sohn des Uhrmachers Johann Traugott Zille und dessen Ehefrau Ernestine Louise, geb. Heinitz, einer Bergmannstochter aus dem Erzgebirge.

Von 1865 bis 1867 besuchte Heinrich Zille die Schule.

Seine Kindheit und Jugend war nicht unbeschwert da der Vater mehrmals im Schuldgefängnis saß. Aus Angst vor den Schuldeneintreibern flüchtete  die Familie 1867 nach Berlin. Bis zu Heinrichs 14. Lebensjahr hauste die Familie dort unter ärmlichen Bedingungen in einer Kellerwohnung in der Kleinen Andreasstraße 17, nahe dem Schlesischen Bahnhof.

Der Vater wurde wegen seiner Schulden abermals in Haft genommen und flüchtete nach seiner Entlassung zeitweise nach Kopenhagen. Das Essen besorgte die Familie sich meistens aus der Volksküche. Heinrich Zille musste als Schulkind durch diverse Arbeiten, wie Milch, Brötchen und Zeitungen austragen, Gepäckträger und Botendienste Geld hinzu verdienen.

Schon früh beeindruckten Heinrich Zille die Stiche des englischen Zeichners Hogarth, die er in Pfennigmagazinen entdeckte. Noch auf der Schule begann er Zeichenunterricht zu nehmen. Sein Zeichenlehrer Spanner ermunterte ihn bei einem Gespräch über seinen Berufswunsch, er solle doch Lithograph werden: „Das beste is, du lernst Lithograph. Zeichnen kannste, und du sitzt in ’ner warmen Stube, immer fein mit Schlips und Kragen - man schwitzt nicht und bekommt keine schmutzigen Hände. Und dann wirst du mit ‚Sie‘ angeredet. Was willst du mehr?“

Nach dem Willen seines Vaters sollte Zille ursprünglich Metzger werden, er konnte jedoch kein Blut sehen, also ging er bei dem Steinzeichner Fritz Hecht an der Alten Jakobstraße in die Lehre.

Zilles Lehr- und Berufsjahre

Parallel nahm Heinrich Zille Studien bei dem Maler, Illustrator und Karikaturisten Professor Theodor Hosemann an der „Königlichen Kunstschule“ auf. Hosemann gab dem Schüler Zille den Rat mit auf den Weg: „Gehen Sie lieber auf die Straße hinaus, ins Freie, beobachten Sie selber, das ist besser, als wenn Sie mich kopieren.

Nach Abschluss der Studien arbeitete Zille ab 1875 zunächst in den unterschiedlichsten Betrieben, um sein täglich Brot zu verdienen.
Zille zeichnete Damenmoden, Muster für Beleuchtungskörper, Kitsch- und Werbemotive und porträtierte zu seinem Vergnügen oder gegen einen Obolus Arbeitskollegen.

Bei der Lithografieanstalt „Winckelmann & Söhne“ lernte der Geselle Zille die unterschiedlichsten grafischen Techniken kennen: Buntdruck, Zinkografie, die Herstellung von Klischees, Retusche, Ätzradierung und schließlich Lichtdruck und Photogravur.

Zille beim Militär

Zille beim MilitärVon 1880 bis 1882 absolvierte Zille seine Militärdienstzeit als Grenadier beim Leib-Grenadier-Regiment, erstes Brandenburgisches Nr. 8, in Frankfurt (Oder) und als Wachsoldat im Zuchthaus Sonnenburg.

Für Zille waren diese Jahre eine unliebsame Erfahrung, die er während seiner freien Zeit in zahlreichen Notizen und Skizzen festhielt. Einmal notierte er: „Wir wurden verteilt in die Kompanien, kam man in die Stuben, die Wanzen lauerten schon.

Zille verarbeitete die eigenen Militärerlebnisse später in seinen „anekdotischen Soldaten- und Kriegsbildern“, die während des Ersten Weltkrieges, in den Jahren 1915 und 1916, sehr erfolgreich als Serien unter den Titeln „Vadding in Frankreich I u. II“ und „Vadding in Ost und West“ erschienen.

Die satirischen, wenn auch überwiegend patriotischen Bildbändchen wurden vielfach als Kriegsverherrlichung angesehen.

Zille und Familie

Nach der Entlassung vom Militär ging Zille zur Photographischen Gesellschaft zurück. Bald darauf lernte er seine Lebensgefährtin kennen: Hulda Frieske, eine Lehrerstochter aus Fürstenwalde, wo am 15. Dezember 1883 die Hochzeit mit einer schlichten Feier stattfand. Bald darauf bezog das junge Paar eine Kellerwohnung im Boxhagen-Rummelsburger Kiez am Grenzweg. Dort kam 1884 die Tochter Margarete zur Welt. 1888 wurde Sohn Hans in der Türrschmidtstraße geboren, wohin die Zilles 1887 gezogen waren, darauf folgte 1901 Sohn Walter in der Mozartstraße (heute: Geusenstraße). Alle Quartiere der Zilles lagen im gleichen östlichen Vorort Berlins, in der Victoriastadt in Lichtenberg. Die letzte Etappe führte die Familie 1892 schließlich in eine Dreizimmerwohnung nach Berlin-Charlottenburg in der Sophie-Charlotten-Straße 88, IV. Stock. Hier wohnte Heinrich Zille fast 40 Jahre, bis zu seinem Tode.

Zille sein Milljöh

Zille sein MilljöhUm die Wende zum 20. Jahrhundert begann Heinrich Zille immer bewusster, Szenen aus der proletarischen Unterschicht für sich als Sujet zu entdecken. Zille fand sein „Milljöh“ in den Hinterhöfen der Mietskasernen, Seitengassen und Kaschemmen der Arbeiterviertel.

1907 wurde Zille deswegen von der Photographischen Gesellschaft entlassen. Den Fünfzigjährigen traf dies hart: Er war verbittert, empört und zutiefst bestürzt. Heinrich Zille begann nun als freier Künstler zu arbeiten und fand den für ihn so typischen Duktus, der, mit seinen berlinerischen Texten, Kurzgeschichten und Bonmots versehen, seine Zeichnungen so originell machte.

Mittlerweile war der Pinsel Heinrich, wie er liebevoll genannt wurde, in Berlin kein Unbekannter mehr und genoss bereits einen gewissen Ruhm als virtuoser Portrait Zeichner.

Zilles Arbeiten stießen mit ihrer spöttischen Sozialkritik an der Wilhelminischen Zeit nicht immer auf Gegenliebe. Hinter seinen teilweise bitterbösen Zeichnungen versteckten sich Tragik und Abgrund: „Wenn ick will, kann ick Blut in den Schnee spucken …“ rühmt sich ein kleines schwindsüchtiges Mädchen gegenüber ihrer Mutter. Eine Ausstellung kommentierte ein Offizier erbost mit dem klassischen Satz: „Der Kerl nimmt einem ja die janze Lebensfreude!“

Zille als Fotograf

Zille als Fotograf Dass Heinrich Zille selbst fotografisch tätig gewesen ist, wurde erst gegen Ende der 1960er Jahre bekannt und dokumentiert.

In Zilles Nachlass fanden sich 418 Glasnegative, einige Glaspositive und über 100 Photographien, von denen keine Negative mehr aufzufinden sind.

Die Entstehungsgeschichte der Fotografien wird auf das Jahr 1890 zurückgeschätzt und reicht bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs.

Wahrscheinlicher ist, dass Zille die Fotografie schon nach seiner Entlassung aus der Photographischen Gesellschaft (1907) aufgegeben hat. Der Fotografie maß er in künstlerischer Hinsicht ohnehin nur geringe Bedeutung zu.

Zille als Künstler

Um die Jahrhundertwende konnte Heinrich Zille erste Zeichnungen ausstellen und in Zeitschriften wie Simplicissimus, Jugend – Münchener Illustrierte Wochenschrift für Kunst & Leben und Die Lustigen Blätter veröffentlichen. Bald wurde man in den Berliner Künstlerkreisen auf „den Neuen“ aufmerksam.

1903 erfolgte Zilles Aufnahme in die neu gegründete Berliner Secession, einer Künstlergruppe, die sich auf Betreiben von Max Liebermann, Walter Leistikow und Franz Skarbina vom bis dahin dominierenden akademischen Kunstbetrieb abgespalten hatte.

Der Publikumserfolg als freischaffender Künstler kam Zille in Hinblick auf seine Entlassung bei der Photographischen Gesellschaft gerade recht. Galeristen bemühten sich um den „Professor mit der Nickelbrille“, und gelegentlich verkaufte Zille auch Werke an Privatsammler und schuf Wandmalereien für verschiedene Lokalitäten und Bierkeller. Trotz aller Achtungserfolge erwarb die Berliner Nationalgalerie erst 1921 eine größere Anzahl Zeichnungen von ihm.

Zille im Alter und Tod

Ehrenbegräbnis ZilleNach dem Krieg musste Zille mehrere private Schicksalsschläge hinnehmen. Er litt zunehmend an Gicht und Diabetes.

Am 9. Juni 1919 starb Zilles Ehefrau Hulda mit nur 54 Jahren. Auch sein Sohn Hans und seine geliebte Schwiegertochter Anna starben früh. Anna, Ehefrau von Zilles Sohn Walter, starb nur wenige Monate nach Heinrich Zille im Dezember 1929 an einer Lungenembolie, der Sohn Hans starb 1934. Schon als seine Frau gestorben war, hatte sich Heinrich Zille geschworen, die Wohnung in der Sophie-Charlotten-Straße 88, die unlöslich mit seinem Familienglück verbunden war, bis zu seinem Ende nicht aufzugeben: „Meine Wände sollen mein Heim sein, bis ich sterbe.“ – Das Wohnhaus steht heute unter Denkmalschutz. Von den drei Kindern Grete, Hans und Walter blieb Zille nur eine einzige Enkeltochter, Anneliese Preetz-Zille, die Tochter seines Sohnes Hans. Der Sohn Walter behielt die Wohnung an der Sophie-Charlotten-Straße eine Zeit lang ganz im Sinne seines Vaters, musste den Bestand allerdings in den Nachkriegsjahren auflösen, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. In den letzten Lebensjahren veröffentlichte Heinrich Zille noch zahlreiche Zeichnungen in der Berliner Satire-Zeitschrift Ulk. Den Höhepunkt seiner Popularität erreichte Zille ein Jahr vor seinem Tod mit den großen Feierlichkeiten zu seinem 70. Geburtstag.

Im Märkischen Museum wurde eine Retrospektive seiner Werke unter dem Titel „Zilles Werdegang“ ausgestellt. Im Februar 1929 erlitt Zille schließlich einen ersten, im Mai einen zweiten Schlaganfall. In der Folgezeit zog sich der Künstler immer mehr zurück und ließ an seiner Wohnungstür mit einer gezeichneten Postkarte in zittriger Handschrift ausrichten: „Bin krank. Bitte keinen Besuch.“ Heinrich Zille starb am Morgen des 9. August 1929. Er erhielt ein Berliner Ehrenbegräbnis auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf Begräbnisblock Epiphanien (Feld 14, Gartenstelle 34/35). Rund 2000 namhafte Trauergäste, darunter viele Künstlerkollegen und einfache Leute aus dem Volk folgten dem Sarg. Ein Schild und ein Stein weisen den Weg „zu Zille“.
 

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