Die East Side Gallery ist der größte und bekannteste
erhaltene Rest der Grenzanlagen der Berliner Mauer. Die eigentliche Grenze
bildete an dieser Stelle die Spree. Die Galerie befindet sich an der so
genannten Hinterlandmauer, die das Grenzgebiet nach Ost-Berlin hin bezeichnete.
Ab Dezember 1989 wurden in Berlin Verhandlungen über
den Zusammenschluss der beiden deutschen Künstlerverbände, dem Bundesverband
Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) und dem Verband Bildender Künstler
der DDR (VBK) geführt. Nach dem erfolgreichen Abschluss unter Leitung von
Barbara Greul Aschanta, dem Sprecher des BBK Bodo Sperling und dem Sprecher
des VBK der DDR Jörg Kubitzki wurde der Vorschlag von David Monti aufgenommen,
als erstes gesamtdeutsches Kunstprojekt die Mauer an der Mühlenstraße von
Künstlern aus allen Teilen der Welt bemalen zu lassen, und schließlich mit
offiziellem Auftrag des Ministerrats der DDR die East Side Gallery gegründet.
Am 28. September 1990 wurde die Galerie eröffnet.
1991 wurde der als East Side Gallery benannte Mauerstreifen unter Denkmalschutz
gestellt.
Im Laufe der Jahre sind
viele Bilder der East Side Gallery stark verwittert. 1996 gründete sich
unter dem Vorsitz von Kani Alavi der Verein „Künstlerinitiative East
Side Gallery e.V.“, der sich seither um den Erhalt und die Sanierung
bemüht. Die Sanierung im Jahr 2000 war eine wichtige Etappe der
Bemühungen. Mit Hilfe des Verbandes der Lackindustrie wurden 40 der
stark angegriffenen Bilder restauriert. Die Betonflächen wurden
geglättet und die noch vorhandenen Kunstwerke mit einem Speziallack
versehen, der eine leichte Entfernung von Graffiti möglich macht. Ein
Großteil der Gemälde blieb dennoch sanierungsbedürftig. Vor allem
Witterungseinflüsse und Graffiti schädigen die East Side Gallery. Die
brüchige Substanz sowie die Planungen zur Verwertung und Erschließung
des Geländes zwischen Flussufer und Mauer stellen eine Bedrohung des
Bestandes dar. Im Rahmen des Investorenprojektes Mediaspree wurde mit
dem Bau der neuen Mehrzweck-Veranstaltungshalle O2World
der US-amerikanischen Anschutz Entertainment Group auf dem ehemaligen Ostgüterbahnhof
nördlich der Mühlenstraße, die East Side Gallery auf einem 45 Meter breiten
Stück für einen platzartigen Durchgang zur Spree unterbrochen.
Im Oktober 2008 begann die erneute Sanierung der East Side
Gallery. Hierfür standen 2,2 Millionen Euro zur Verfügung.
Gesamtprojektleiter war die S.T.E.R.N. Auf einer Pressekonferenz
anlässlich des Beginns der Sanierung beschrieb Kulturstaatssekretär
André Schmitz die East Side Gallery als Teil des Berliner Gesamtkonzepts
zur Erinnerung an die Berliner Mauer. „Die Masken“ von Vyatcheslav
Schlyakhov wurde als erstes wiederhergestelltes Bild im März 2009
enthüllt. Die Wiedereröffnung der sanierten Galerie fand am 6. November
2009 statt.
Laut S.T.E.R.N. war eine nachhaltige Instandsetzung
des Mauerwerks Grundvoraussetzung der Sanierung. Dazu wurden die Stahlbewehrungen
freigelegt, um sie von Korrosion zu befreien. Bei diesem Verfahren musste
ein Großteil der Bilder abgestrahlt werden. Die entstandenen Löcher wurden
mit einem speziellen Beton verfüllt, verspachtelt und grundiert. Zur Wiederherstellung
der Motive wurden die Künstler der Werke, die ausfindig gemacht werden konnten,
nach Berlin eingeladen, um ihr Bild ein zweites Mal an die Berliner Mauer
zu malen. Dieser Aufforderung kamen 82 der noch lebenden 115 Künstler nach.
Jeder Künstler erhielt eine Aufwandsentschädigung von 3.000 Euro und eine
Verpflegungskostenpauschale. Künstler, die nicht aus Berlin kamen, wurden
die Fahrt- und Unterkunftskosten erstattet.
Acht Künstler weigerten sich, Plagiate ihrer Bilder
von 1990 zuzulassen. Einige von ihnen sahen durch die Beseitigung der Werke
ihre Urheberrechte verletzt, kritisierten die geringe Aufwandsentschädigung
und beteiligten sich nicht an der Rekonstruktion. So bestehen zwischen den
bunten Flächen vereinzelt unbemalte Felder. Auch der Lehrstuhlinhaber für
Denkmalschutz an der TU-Cottbus Leo Schmidt, der mit der Sanierung der Bernauer
Straße, einem weiteren 250 Meter langen noch originalen Reststück der Berliner
Mauer beauftragt ist, unterstützte die Haltung der „Gründerinitiative East
Side“, die gegen die Zerstörung der Originalbilder protestierte und für
eine sachgerechte Restaurierung unter Einbezugnahme der vielen Graffity
waren.
Die Totalsanierung der East-Side-Gallery ist für die
meisten Fachleute kein Vorbild.
"Die East Side Gallery ist Teil des Berliner Gesamtkonzepts zur
Erinnerung an die Mauer und zum Gedenken an deren Opfer. Während der
Checkpoint Charlie der internationale Ort der Mauergeschichte ist, das
Brandenburger Tor der nationale und die Bernauer Straße der Berlinische,
haben wir die East Side Gallery und das Parlament der Bäume im
Regierungsviertel als die beiden Orte des Umgangs mit der Mauer nach
deren Fall in das Konzept aufgenommen“ (Kulturstaatssekretär André
Schmitz).
Einige der Künstler protestieren gegen die Sanierung:
Sie seien zuvor nicht nach ihrem Einverständnis gefragt worden, bekämen
ein Pauschalhonorar von 3000 Euro für die Rekonstruktion ihrer eigenen Werke,
während die Lottostiftung Berlin für die Sanierung insgesamt knapp 1 Million
Euro bereitgestellt habe. Von den Werken hätten über die Jahre nur andere
mit Print-Publikationen profitiert, weshalb etwa der Künstler Jim Avignon
seinen Beitrag auf der Mauer bereits mit dem Wort „moneymachine“ (Geldmaschine)
übermalt hatte. 14 Künstler gründeten daher die GRÜNDERINITIATIVE EAST SIDE
mit dem Ziel, die Mittel der Lottostiftung ausschließlich den beteiligten
Künstlern zur Wiederherstellung ihrer Bilder zukommen zu lassen.
Diese Bemühungen setzten sich jedoch nicht durch. |